Erzählung

Saratah Keita

Bililé – bekannter als Machbuba – kam im September 1840 wegen und mit Fürst Pückler nach Muskau und starb dort nach nur wenigen Wochen. Keine zwanzig Jahre alt ist sie geworden. Der Fürst vermeinte sie zu lieben und schwärmte von ihr als einer gehorsamen Dienerin und wissbegierigen Schönheit. Doch sah sich Bililé genauso?

Die Erzählung greift die Erinnerungen Pücklers und seiner Zeitgenoss*innen auf und interpretiert sie einmal ganz anders – nämlich nur aus Bililès Sicht. Im ergänzenden zweiten Teil wird ihr Lebensweg anhand sicherer und fast sicherer Fakten nachverfolgt, und eine Zeittafel erleichtert die Einordnung der Erzählung in den historischen Kontext.

* Broschüre, 50 Seiten

Leseprobe

Auf dem Markt hieß man uns stille stehen und warten. Ajiamé und ich bekamen ein weißes, blickdichtes Tuch übergeworfen, nur unsere vier schmalen, sauberen Füße schauten heraus.
Man möge sich unsere Angst vorstellen, wie wir da zusammengebunden standen, nackt und nun obendrein noch blind, dreckigen Worten und rohen Händen ganz und gar ausgeliefert. Wenn ich bisher verdrängt hatte, was wirklich auf uns zukam, so machte es mir gerade dieser Kerker aus Musselin gnadenlos bewusst: wertloser Männertrost, um es vornehm zu umschreiben.
Hey Sidi, flüsterte der Händler verschwörerisch jemandem zu, und ohne Vorwarnung flog das Tuch herunter; ich konnte gerade noch einen Zipfel greifen und mein Gesicht darin verbergen. Da standen sechs Weiße und glotzten uns schamlos an. Von Kopf bis Fuß, von vorn und hinten, wie Kühe am Markttag.
Wie alt ist sie, hörte ich den fragen, der mir das Tuch aus dem Gesicht strich. (Ich hatte mein arabisch aus reiner Notwehr in den letzten Wochen sehr verbessert.) Der Mann starrte mich an, doch der Händler schielte und verstand, meine Schwester sei gemeint, denn er hielt sie für die bessere Ware.
Die, sagte er abschätzig, zehn oder elf, die könnt Ihr noch ganz biegen, wie Ihr es braucht.
Und schon so reif? verwunderte sich der Mann, taxierte meine Brüste und Schenkel mit einem Blick, der mir Striemen unter die Haut brannte.
Der Händler griff nach meiner Schwester und zerrte sie vor, die vor Angst starr und lahm stand. Ja, Sidi, die Weiber da unten werden schneller reif, sie lechzen nach dem Manne und können es gar nicht abwarten, zu Hause wäre sie längst verheiratet, aber jetzt ist sie noch Jungfrau.
Sie ist doch kein N**? – Dem Weißen war meine Schwester egal, er öffnete mir gerade den Mund, um wie bei einem Gaul die Zähne zu prüfen.
Nein, Herr, was denkt Ihr, nur beste Ware bei mir, es sind Orientalinnen, schaut, diese Kupferhaut ist doch ganz was anderes als ordinäres Schwarz.
Wie heißt sie, fragte der Weiße verträumt und drehte uns herum wie Puppen. – Antworte! herrschte der Händler meine Schwester an, die kein Wort herausbrachte.
Ajiamé, flüsterte ich an ihrer Stelle.
Was verlangt Ihr? – Der Händler grinste, gleich war er zwei auf einmal los.
Ich gebe sie nur zusammen ab, 100 Taler für beide. – Ja, ja, ganz wie Ihr wollt. Werft ihnen das Tuch wieder über und gebt sie mir, aber schnell.
So kamen wir zu Pückler.

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